
2024 legten Bauernverbände mit Traktorkolonnen, Blockaden und wochenlangen Protesten das Land lahm. Anlass war die drohende Streichung von Subventionen, deren konkrete Auswirkungen für viele Betriebe überschaubar gewesen wären. Die jährliche Belastung für einen Hof mit 30-50 ha wären etwa 300Euro gewesen, zwei Tankfüllungen eines Schleppers. Die politische Botschaft war klar: Schon kleine Veränderungen am Bestehenden galten als unzumutbar.
2025 schlägt die sich damals längstens abzeichnende Katastrophe voll durch. Dürre, Starkregen und Ernteausfälle bedrohen die Grundlagen eben jener Landwirtschaft. Nun geht es nicht mehr um Vergünstigungen, sondern um das Überleben vieler Höfe. Doch ausgerechnet jetzt bleibt es erstaunlich still. Wo bleiben die Sternfahrten für eine wirksame Klimapolitik? Wo die Blockaden im Namen der eigenen Zukunft?
Das verweist auf ein tieferes Problem. Klimaschutz bedeutet Veränderung. Veränderung verlangt Bereitschaft. Bereitschaft Gewohnheiten, Geschäftsmodelle und politische Routinen zu hinterfragen.
Die Politik gefällt sich darin den Status Quo zu verwalten und zu beschützen. Das ist in Zeiten relativer Sicherheit sogar sinnvoll, nicht aber in Zeiten da die Welt von Geopolitik bis Ökologie, von Technologie bis Klima in disruptivem Wandel befindlich ist. In diesen Zeiten besteht die Aufgabe von Politik eben nicht darin, Stillstand mit symbolischem Aktionismus zu verwalten. Politik muss der Bereitschaft sich zu verändern den Weg ebnen, Transformation ermöglichen: Investitionen absichern, Risiken abfedern, Planungssicherheit schaffen – kurz die Hoffnung und Zuversicht bereiten, derer es braucht, um sich aus der Umklammerung des Gewohnten zu lösen und sich für Veränderung bereit zu machen. Klimapolitik wird nic mit einer Konservierung der Gegenwart gelingen. Zumal einer Gegenwart, die uns erst in die existenzielle Notwendigkeit brachte uns mit Klimaschutz überhaupt zu befassen. Klimaschutz bedeutet, soweit sind wir mit der Gefährdung unseres Lebensraumes fortgeschritten, die Gestaltung einer Zukunft, in welcher Landwirtschaft überhaupt noch eine Zukunft hat.
Die Zynik der vergangenen Jahre liegt deshalb darin, dass die größte Mobilisierungskraft nicht dort zu sehen war, wo die Existenz bedroht ist, sondern dort, wo Veränderung verlangt wurde. Als es um vergleichsweise Nichts ging, war der Aufschrei gewaltig. Nun, da für viele alles auf dem Spiel steht, dominiert das Schweigen. Das ist nicht nur ein Versäumnis der Verbände. Es ist ein Symptom einer politischen Kultur, die Veränderung fürchtet, obwohl sie längst unvermeidlich geworden ist.
