
Bei Lichte betrachtet verliert Merz nicht die Kontrolle. Er hatte sie nie. Was viele für strategische Führung hielten, war oft nicht mehr als die unangenehme Inszenierung von Entschlossenheit durch Angriff, Dominanzgesten und die Herabsetzung anderer. Unterm Strich, außer einem empfindlichen Ego und bemerkenswerter Selbstgewissheit mit wenig ausgestattet, war er die natürliche Wahl einer Partei, der Korruption zur DNA wurde, die Opportunismus regelmäßig mit Pragmatismus verwechselt und Machtpolitik für ein demokratisches Ordnungsprinzip hält. Seine vielleicht einzige politische Ressource war dabei ausgerechnet jene chronische Selbstbesoffenheit, die ihn für sein Umfeld so brauchbar machte: Wer den eigenen Führungsmythos für Realität hält, ist leichter zu lenken als jemand, der die Welt verstehen, statt sich in ihr spiegeln will.
