
Die Welt brennt. Die menschengemachte Klimakatastrophe verursacht bereits heute Leid in unvorstellbarem Ausmaß, vernichtet Vermögen, zerstört Infrastruktur, lässt Ernten ausfallen und wird unaufgehalten ganze Regionen dieser Welt dauerhaft unbewohnbar zu machen. Man könnte annehmen, eine Spezies, welche die Kernspaltung beherrscht, den Mond erreichte und Computer erfunden hat, wäre in der Lage, zwischen Ursache und Wirkung einen Zusammenhang herzustellen. Offenbar ist das in Zeiten der nackten Gier zu viel verlangt.
Und so kommt es, dass der Mensch durch sein brennendes Haus irrend, irrwitzigerweise nicht nach einem Feuerlöscher sucht. Er fabuliert lieber leidenschaftlich die wirtschaftlichen Chancen des Feuers. Er subventioniert die Streichholz- und Brennstoffindustrie, lobt die Innovationskraft der Brandbeschleunigerhersteller und sorgt sich vor allem darum, dass die Brandstifter keine finanziellen Nachteile, idealerweise aber massive Übergewinne treffen.
Das eigentlich Erstaunliche an unserer Zeit ist nicht die Klimakatastrophe. Erstaunlich ist die fast übernatürliche Fähigkeit, sie zu verstehen und dennoch beinahe konsequent exakt das Gegenteil dessen zu tun, was die Lage erfordert. Wir verfügen über Daten, Modelle, Messreihen, Satellitenbilder und jahrzehntelange Forschung. Wir wissen, was geschieht, warum es geschieht und was dagegen zu tun wäre. Wir wissen sogar dass es auf kurze Sicht wirtschaftsfördernd und auf lange Sicht anerkannt billiger, gerechter und angenehmer wäre, etwas dagegen zu tun. Und dennoch ist unsere Antwort abgesehen von der wütenden Bekämpfung regenerativer Energien und der mantrahaften Diskreditierung von Umweltschutz als optionalen Luxus, nun also das Verbilligen des Brandbeschleunigers.
Die wahre Tragödie seiner Existenz hat sich der Mensch dabei bereits unbewusst in seiner Gattungsbezeichnung festgeschrieben. Wir bezeichnen uns Homo sapiens, als den wissenden Menschen. Nicht als den vernünftigen Menschen. Wir wissen, was wir tun. Wir wissen, welche Folgen es hat. Wir wissen, wie wir gegensteuern könnten. Wir Mensch scheitern nicht am Mangel an Wissen. Wir scheitern daran, ausWissen Vernunft werden zu lassen.
Vielleicht ist Intelligenz doch nicht die Fähigkeit, Probleme zu erkennen und zu lösen. Vielleicht ist Intelligenz wenig mehr als die Fähigkeit, den eigenen Irrsinn mit so vielen Ausreden zu dekorieren, dass er ausreichend Vernunft heischt. Vor allem wenn wir ohnehin eisern gewillt sind, auf der Flucht vor Einsicht und der damit drohenden Veränderung dem eigenen Blendwerk Glauben zu schenken.
