
Jahrelang wollte die Union unbedingt glauben, man könne dem rechten Rand Stimmen abjagen, indem man ihm hinterherläuft. Eine Strategie, die in den aktuellen Vorstößen von Unionspolitikern wie Hessens Ministerpräsident Rhein oder dem ehemaligen CDU-Generalsekretär Mario Czaja unvermindert fortlebt. Doch die Partei in Sprache, Denken und Handeln nach rechts zu verschieben, hat nicht geholfen, Wähler zurückzugewinnen. Im Gegenteil: Mit dem Verlust der politischen Mitte büßt die Union stetig an Zustimmung ein und droht sich am rechten Rand im Wortsinn selbst zu verlieren. Gleichzeitig verschiebt sie die Grenzen des Sagbaren, normalisiert radikale Positionen und stärkt damit ausgerechnet jene Kräfte, die sie angeblich bekämpfen will.
Das Tragische daran ist nicht nur der Schaden für die demokratische Kultur. Das Tragische ist die Blindheit gegenüber den Folgen des eigenen Handelns. Wer den rechten Takt übernimmt, macht das Original attraktiver als die Kopie. Wer die Erzählungen der AfD bestätigt, verleiht ihnen zusätzliche Glaubwürdigkeit. Und wer Ängste und Ressentiments der extremen Rechten zum politischen Kompass erhebt, verliert am Ende nicht nur die politische Mitte, sondern auch sich selbst.
Das spürt längst auch die Union. Und dennoch glauben die Trommler der Normalisierung weiter fest, sie spielten zum Erhalt ihrer Partei. Tatsächlich schlagen sie längst den Takt ihres Niedergangs. Der Totentanz, den sie aufführen, bedroht nicht nur die Demokratie. Er beginnt bei der Union selbst.
