
Die Kanzlerkonklave zur Nachfolge von Merz ist nun im vollen Gange. Der ewige Zweite hat es geschafft, einmal der Erste zu sein – er wird der erste Kanzler in der Geschichte der Republik sein, welcher ohne Skandal allein um seiner vollkommenen handwerklichen Talentfreiheit willen ausgetauscht wird und das nach nur einem Jahr im Amt. Man darf sich berechtigterweise fragen, was eine Union, die diesen Mann ohne andere Eigenschaften als seine ihm zur Natur gewordene Angefasstheit als den besten Ersten für Deutschland in schweren Zeiten bestimmte, qualifiziert, dessen Nachfolge zu bestimmen. Abgesehen von dieser Frage ist das Dilemma der Union dabei: Sie sucht einen Merz, aber in nett und genau das gibt es nicht. Denn Merz ist die exakte Passung auf das, was die Union ausmacht und die neoliberale Umverteilung von unten nach oben, die politische DNA nicht nur der Union, gibt es spätestens mit sich abzeichnendem Vollzug der Privatisierung aller Daseinsfürsorge, siehe USA, nun mal nicht mehr in nett. Zumindest für niemanden, der nicht reich genug ist, sich Politik kaufen zu können. Wollte die Union tatsächlich einen Neustart und keinen Merz in nett, sie besönne sich auf die soziale Marktwirtschaft, welche aber nur gelingt, wenn man die Reichen beteiligt und anstelle des gemeinschaftsfernen Primates der Eigenverantwortung eine Renaissance des Wir auf Bundesebene einläutet. Das hatten wir mal, gesicherte Rente, funktionierende Krankenversorgung, intaktes Bildungssystem und pünktliche Bahn inklusive. Aber noch gibt es genug kollektiv beschaffte Infrastruktur und Vermögen zu privatisieren, von daher besteht keine Gefahr einer Besinnung der Union. Was man auch daran sieht, dass Dobrindt als Überraschungskandidat mit Aussicht gehandelt wird. Nicht nur weil er ein betont rechtstragend regelagnostischer Hardliner ist, sondern auch, weil er bestens mit der SPD vernetzt ist und dank enger Verbundenheit mit Klingbeil auf deren ungeteilte Zustimmung bei einer Kanzlerwahl hoffen kann, was im Übrigen den völlig verheerten Zustand der SPD besser illustriert, als jede Karikatur es vermöchte.
