
Die Midterms senden bei aller Aufregung unterm Strich eine einfache Botschaft: Politik besteht nicht nur darin, die Bilanzen der Wohlhabenden zu optimieren. Die Wahlsiegerinnen und Wahlsieger zeigen, dass Themen wie Gleichberechtigung, Sexuelle Selbstbestimmung, Geschlecht, Hautfarbe, Repräsentation und gesellschaftliche Teilhabe wieder Mehrheiten mobilisieren können. Dies geht mit dem Wanken eines als in der Politik als gesetzt gedachten Deutungsprimates einher : die Vorstellung, Welt und Politik werden am Ende selbstverständlich vom Typ „Alten weißer Mann“ erklärt und für alle anderen definiert. Der gegen „Wokeness“ gerichtete Furor wirkt deshalb oft wie das, was er im Kern ist – die ängstliche Reaktion der schwindenden Gewissheit tradierter Deutungseliten im Lichte einer Gesellschaft, die wieder pluraler wird. Gut so.
